Test for Echo
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Wie kommt ein Rushfan zu Rush ? Natürlich, über die Musik - selten aber über Radio oder andere Medien.Rush ist ein eigenwilliger, schwer erschließbarer Kosmos aus Eigenheiten und wird gerne über Empfehlung weitergereicht, selten jedoch einfach konsumiert und aufgenommen wie eine beliebige Radio-Hitsingle, ein Videoclip zum kurzen anchecken und abspeichern, eine Mitnahme-DVD im Kaufhaus an der Ecke.

So ist die Story, wie man zu Rush kam oft mindestens so interessant wie die Musik selbst. Nun, so spektakulär war´s bei mir nicht, 1981 stolperte ich in einer Rockdisco über den Song "Tom Sawyer", der aufgrund seiner eigenwilligen Rhythmik und der charismatischen Stimme sofort aus dem Rahmen des üblichen fiel, immerhin hörte ich damals nach Beendigung der Metalphase vorwiegend leicht verdaulichen AOR wie Survivor, Loverboy und Konsorten.

Also ... auf zum DJ und rückgefragt und natürlich sogleich die LP besorgt, die auf der Stereoanlage meines Bruders rauf und runter lief. Von da ab ging die Suche nach den Wurzeln von Rush los, welche ja mit ihrem damaligen Meilenstein "Moving Pictures" und dessen Kompaktsound bereits einige Metamorphosen vom blueslastigen Led Zeppelin-Sound über die progressiv-epischen Longtrackalben "Caress of Steel" und "2112" bis hin zu den romantisch verklärten Scheiben "A Farewell to kings" und "Hemispheres" hinter sich hatten.

Spätestens mit dem Kauf der "All the world´s a stage", dem ersten richtigen Live-Album der Band, wurde klar, daß sich noch ganz andere Dimensionen hinter den wenn auch ausgefeilten so doch sound- und stimmtechnisch polierten Songs wie "Limelight" oder "Red Barchetta"  verbargen.

So gewöhnungsbedürftig die aggressiv-schrillen Vocals von Geddy auch waren, sie standen und stehen für eine Phase von Rush, die extrovertiert und laut, aber dennoch in ihrer Eigenheit der Songstruktur, im lyrischen Freidenkertum Neil Pearts und vor allem in ihrer authentischen Liveperformance die Wurzeln für die spätere Entwicklung und den anhaltenden Erfolg des Trios begründeten.

Für mich begann mit dem Erwerb des Nachfolgers von Moving Pictures ein Mitwachsen mit den Veränderungen, es folgte in Deutschland die 80er Keyboard-Dominanz, von New Wave und NDW getragen und siehe da ... beim Auflegen der "Signals", brandneu aus dem Laden geholt, wummerten die elektronischen Soundteppiche von "Subdivisions" durch den Raum und hinterließen zunächst einen staunend geöffneten Mund, denn bis auf Intros und Zwischenstücke war eine derartige Präsenz elektronischer Sounds für Rush neu. Aber es gefiel, es ging ins Ohr und es hatte bei aller Technik den unverwechselbaren Stempel "Rush" im Gefrickel der Drums, im Wechsel von Bass und Keyboard, in der angenehmen Stimme von Geddy und den bogenspannenden Gitarrenklängen von Alex dazwischen.

Nun, mit den genialen Eindrücken dieser Scheibe bewaffnet ging´s dann auch 1983 zu meinem ersten Livekonzert bei Stuttgart, endlich mal den drei Künstlern richtig nahe sein, und die Lockerheit, die technische Brillianz bei lässigem Auftritt und die familiäre Atmosphäre eines Rushkonzertes hinterließ weitere bleibende Eindrücke auf dem Weg zum Rushfan. Damals konnte ich nicht wissen, wie rar Rushkonzerte in Deutschland im Laufe der Bandgeschichte werden sollten.

 Jedenfalls ließ mich das Rushfieber nicht mehr los und begleitete mich durch die 80er, ich fing an mich näher für die Texte zu interessieren, übersetzte mehr oder weniger holprig aber mit wachsender Begeisterung und fing gar an zu phantasieren, daß eine geheime Botschaft über die Alben transportiert würde (so eine Art roter Faden, "brought to you by the letter ... ")

All das entsprang natürlich jugendlichem Überschwang welcher schließlich durch meine familiäre "Karriere" eingebremst wurde. Es wurden leider nur wenige Ehejahre, in denen Rush im Hintergrund weiterlief, da die musikalischen Übereinstimmungen eben nicht im Bereich progressiver Rock zu finden waren. Highlight sicherlich hierbei die Roll-the-bones-Tour 1992, bei der ich Rush in bester Spiellaune im Konzert in Stuttgart in vorderster Reihe bewundern durfte.

Parallel zu Rush endete diese Phase meines Lebens im Suchen, ebenso wie deren Alben Counterparts und Test for Echo, die  von vielen Fans mit verhaltener Begeisterung aufgenommen worden waren. Der Bandname tauchte auf den Eintrittskarten von Livekonzerten nicht mehr auf und so leierte das Band der musikalischen Freundschaft weiter aus, ohne natürlich jemals ganz abzureißen. Die Nachricht vom vorläufigen "Aus" der Drei in 1996 durch die persönlichen Tragödien, die Drummer Neil erleiden mußte traf wie ein Hammerschlag ... Rush ohne Neil Peart war nicht denkbar.

(wird fortgesetzt)